First Ride | Das Rocky Mountain Sherpa „Overland-Bike“ im Test (2024)

Sherpas sind die Helden der Berge. Sie schleppen oft schwerste Lasten auf die entlegensten Gipfel und begleiten abenteuerlustige Touristen bei ihren Expeditionen. Den perfekten Sherpa in Bikeform will jetzt Rocky Mountain mit seinem gleichnamigen neuen Modell geschaffen haben. Sicher, stabil und dennoch spaßig zu fahren soll es sein – und das trotz enormer Zuladung.

Erstmals hat Rocky Mountain das Konzept ihres perfekten „Overland-Bikes“ beim letztjährigen Sea Otter in den USA präsentiert. Genau ein Jahr später folgte nun an gleicher Stelle die offizielle Veröffentlichung des Serienbikes. Wir hatten wenige Tage später in Sexten (Südtirol) die Möglichkeit, eine erste Runde mit dem neuen Lastesel der Kanadier zu drehen.

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Das Konzept – „Overland-Bike“

Die Idee hinter dem Rocky Mountain Sherpa war, ein Bike für all jene zu schaffen, die ohne ihr GPS-Gerät gar nicht erst auf Tour gehen, die ständig Neues entdecken wollen und die eine Isomatte unterm Sternenhimmel dem weichen Bett im stickigen Hotelzimmer vorziehen. Das Anforderungsprofil war also klar: Stabil, sicher und komfortabel sollte es sein und doch sollte der Fahrspaß natürlich nicht auf der Strecke bleiben.

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Die drei oben genannten Adjektive vereint nach Angabe von Rocky Mountain keine Laufradgröße besser als die der neuen breiten 27,5+-Laufräder. Dank des deutlich gesteigerten Luftvolumens bieten sie nicht nur mehr Grip und Traktion, sondern überrollen Hindernisse auch einfacher, was zu mehr Komfort und einer größeren Fahrsicherheit führt. Aus diesem Grund verbauen die Kanadier 2,8″ breite WTB-Reifen und schaffen am Hinterbau sogar Platz für bis zu 3,25″ breite Schlappen.

Das Bike

Nachdem die Laufradgröße feststand, galt es, damit verbundene Herausforderungen zu lösen. Die Basis des Sherpas ist der Hauptrahmen des bereits bekannten 29er-ModellsElement. Er wurde mit einem neuen, breiteren Hinterbau kombiniert, um ausreichend Platz für die voluminösen Reifen zur Verfügung zu stellen. Überraschenderweise verzichtete Rocky Mountain jedoch auf den kürzlich vorgestellten neuen Boost-Achsstandard. Der Grund ist einfach. „Sollte es doch einmal zu einem Defekt kommen, erhält man für den bereits etablierten 142×12-mm-Standard deutlich leichter Ersatzteile“, so ihre Aussage. Um dennoch einen Umwerfer montieren zu können, haben die Kanadier die Kurbel und somit die Kettenlinie mithilfe eines kleinen Spacers um wenige Millimeter nach rechts verschoben.

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Ein besonderes Augenmerk wurde auf das Fahrwerk des Sherpa gelegt. Es besteht aus einer Manitou Magnum-Federgabel mit 120 mm Federweg und einem Manitou McLeod-Dämpfer (95 mm). Beide Federelemente wurden auf die veränderten Fahreigenschaften der voluminösen Plus-Reifen und das erhöhte Gesamtgewicht bei der Verwendung von Gepäcktaschen abgestimmt. So verfügen sie beispielsweise über mehr Zugstufendämpfung und eine stärkere Low-Speed-Druckstufe. Außerdem benötigen beide Federelemente nur einen sehr geringen Luftdruck, was zum einen für ein feineres Ansprechverhalten bei kleinen Unebenheiten, zum anderen aber auch für eine geringere Defektanfälligkeit speziell im Bereich der Dichtungen führen soll.

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Auch die restliche Ausstattung des Sherpa ist absolut langstreckentauglich. Egal ob der solide 2×10 Shimano XT-Antrieb oder die zuverlässigen Shimano-Bremsen, die Auswahl aller Teile wirkt ebenso durchdacht wie das co*ckpit, das in Kombination mit der langhubigen Federgabel für eine komfortable Sitzposition sorgen soll.

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Die Geometrie

Eines fällt beim Blick auf die Geometrietabelle direkt auf: Das Rocky Mountain Sherpa ist ziemlich kurz! Das verdeutlicht der geringe Reach von 416 mm (Gr. L) ebenso wie der kleine Radstand von 1.133 mm. Verglichen mit dem Element wurde der Lenkwinkel aufgrund der größeren Einbauhöhe der Federgabel um 1° flacher (jetzt 69°), was speziell im anspruchsvollen Terrain für mehr Fahrsicherheit sorgen soll.

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Unser erster Fahreindruck

Auch wenn wir es uns gewünscht hätten, war es uns im Rahmen der Präsentation natürlich nicht möglich, das Sherpa mit Gepäcktaschen mehrere Tage lang zu testen. Daher beschränkt sich dieser Fahrbericht auf die Eindrücke, die wir auf mehreren kurzen, aber sehr abwechslungsreichen Testfahrten gewinnen konnten.

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Das Sherpa ist vor allem eins: sehr komfortabel! Das wird direkt nach dem Aufsteigen klar, wenn man in einer kompakten und leicht aufrechten Sitzposition Platz nimmt. Trotz des 80-mm-Vorbaus kommt hier überhaupt kein Streckbank-Feeling auf, wie man es von so manchem XC-Bike kennt. Auf der entspannt ansteigenden Forststraße zu Beginn unserer Tour gleitet das 13,4 kg schwere Rad förmlich dahin. Die feinfühlig arbeitende Manitou-Federgabel und die großvolumigen Reifen schlucken nahezu sämtliche Unebenheiten und sollten doch einmal Vibrationen bis an die Hände des Fahrers vordringen, absorbieren die weichen Mushroom-Griffe auch diese. Die erste Bewährungsprobe stellt für das Rad die Durchquerung eines Bachbetts dar. In diesem Moment werden die großen Vorteile der Plus-Reifen spürbar. Denn selbst nahezu kopfgroße Steine stellen kein Problem dar und man kann fast schon gelassen alle Hindernisse überrollen.

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Doch nicht nur das Überrollverhalten ist beeindruckend, auch die schiere Masse an Traktion begeistert. Egal ob bergauf oder bergab, die Reifen schmiegen sich dank des geringen Luftdrucks von 1,0 bar vorn und 1,2 bar hinten förmlich um jede Unebenheit und bieten enormen Grip. Dank der kompakten Geometrie lässt sich das Rad trotz der wuchtig wirkenden Laufräder erstaunlich agil manövrieren und trotz des geringen Reifendrucks wirkt das Handling ausgesprochen präzise. Sucht man eine Schwäche, ist diese im Bereich Highspeed zu finden, denn aufgrund das kurzen Radstands und des geringen Federwegs am Heck kommt das Bike hier schnell an seine Grenzen –aber wer fährt auf einer langen Tour im unbekannten Terrain schon mit dem Messer zwischen den Zähnen?

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Fazit

Das Rocky Mountain Sherpa überzeugte bereits auf unseren kurzen Testrunden durch sein immenses Maß an Komfort und Fahrsicherheit. Wie sich das Rad mit 20 kg Extragepäck fährt, können wir aktuell noch nicht beurteilen. Dennoch sind wir begeistert von der konsequenten Umsetzung des „Overland“-Konzepts und der edlen Verarbeitung des Rahmens. Mit 4.800 € ist das Bike nicht unbedingt ein Schnäppchen, aber das sind Touren im Hochgebirge mit menschlichen Sherpas auch nicht. Was am Ende zählt, ist nicht der Preis eines Produkts, sondern es sind die unvergesslichen Momente, die man mit ihm erlebt – und die sind unbezahlbar!

Für weitere Informationen besucht: bikes.com

Bilder: Christoph Bayer / Markus Greber |Text: Christoph Bayer

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Author: Greg O'Connell

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